Zeit-los

Kunst erfordert Zeit.
Vom Betrachter wie vom Künstler.
Es existiert jedoch ein genereller Zeitverlust.
Obwohl Sinn all des technischen Fortschritts ist, Zeit zu sparen.
Wofür soll Zeit gespart werden?
Um mit der Technik zu spielen?
Die Technik fasziniert durch Schnelligkeit.
Der Mensch möchte dem nicht nachstehen.
In diesem Wettlauf ist mitunter unklar, wer hier der Akteur ist.
Gibt die Maschine den Rhythmus des Menschen schon vor?
Der Rasenmäher läuft dem Menschen davon, er muss diesen zügeln.
Der Autofahrer muss entscheiden, welche Geschwindigkeit er seiner Natur zumuten kann.
Der Techno-Rhythmus ist ein Wunsch, die allgegenwärtige Maschinerie zu beschwören, zu hypnotisieren.

Der Mensch speichert Bilder auf Chips. Chips ergeben eine Bildwelt, die scheinbar perfekter ist, als das natürliche Bild.
Manch einer ist enttäuscht, wenn er seine gewohnte Bildschirmwelt mit der Natur vergleicht.
Der Bildschirm ist immer gleichmäßig ausgeleuchtet, er strahlt wie eine immerwährende Sonne in jedem Heim.
Wenn die Sonne untergeht scheint der Verlust erträglich, aber wenn der Bildschirm erlischt, die Neonlichter einer Stadt ausgehen, stellt sich tiefe Depression ein.
Die Menschen schauen in den Nachthimmel und sehen schlecht leuchtende Sterne.
Ein Laserstrahl muss her, dann entsteht das gewohnte Bild von Urbanität
Und der Mensch fühlt sich nicht mehr so einsam der Natur überlassen.
Kirchenfenster werfen das Licht Gottes, seine Botschaft der Dialektik von Hellem und Dunklem, vom Guten und Bösen in den Kirchenraum.
Im verschatteten Raum, dort wo die Strahlen nicht hingelangen, sitzt das Abgründige, das Geheimnisvolle das Unheimliche.
Der Bildschirm kennt keine existenzielle Verunsicherung,
Alles ist gleichmäßig ausgeleuchtet, alles ist klar und sauber.
Man muss sich nicht mehr der Dunkelheit ausliefern, man möchte den Dauertrip der Glückshormone.
Dämonen und Naturgeister sind besiegt, sie bedürfen keiner Rituale mehr.
Anstatt Spiritualität gibt es den Konsumrausch, der unsere Sinne verzaubert.
Was fasziniert mehr: der Blich in den Abendhimmel oder der Blick ins Display?
Auf alle Fälle gibt es die Faszination für eine Lichtquelle, als Bedingung für alles Leben.
Auch in der Malerei geht es letztlich immer um Licht.
ZEITLOSIGKEIT heißt der Wunsch sie anzuhalten, das Sterben das Vergehen zu verhindern.
Die Kunst ist hierfür das geeignete Feld.

Petra Flierl, Juli 2001